Von Minifabrik bis Modell-Seilbahn: Forschung zum Anfassen am Tag der Logistik im BIBA

Unter der Decke schwebt ein kleiner Container an einer Modell-Seilbahn, darunter arbeitet eine Mini-Fabrik, in einer anderen Ecke rotiert ein Roboter, zwischendurch Vorträge und kurzweilige Präsentationen – am „Tag der Logistik“ herrscht auch in der Halle des Bremer Instituts für Produktion und Logistik (BIBA) an der Universität Bremen Bewegung. Am 15. April 2010 zwischen 15 und 18 Uhr öffnet es seine Pforten für die Öffentlichkeit und stellt gemeinsam mit seinen Industriepartnern Beluga Shipping GmbH, BLG Logistics Group AG & Co. KG, OHB Teledata GmbH, ThyssenKrupp Krause GmbH, EUROGATE GmbH & Co. KGaA, KG neueste Forschungsergebnisse vor.

Unter dem Motto „Bremer Industrie und Forschung präsentieren innovative Logistiklösungen“ beteiligte sich das Institut zum dritten Mal an der von der Bundesvereinigung Logistik (BVL) initiierten, bundesweiten Veranstaltung. Anhand von beispielhaften Anwendungen veranschaulichen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen mit ihren Kooperationspartnern aus der Wirtschaft die Innovationspotentiale in der Logistikbranche und die Vielfalt der Aufgaben in diesem wichtigen Wirtschaftsbereich.

Neue Themen, spannende Demonstrationen und zahlreiche Vorträge


„Logistik macht’s möglich“, sind die BVL-Logistiktage überschrieben, und im BIBA wird in vielen Beispielen dargestellt, welche vor Kurzem noch unmöglich scheinenden Szenarien schon bald Realität sein können. Kühn mutet zum Beispiel die Aussage an, Schadensfälle im Schiffsbetrieb besser planen, sogar verhindern und so die jährlich anfallenden Kosten für Schäden um bis zu 10 Prozent senken zu können. Doch ein in Zusammenarbeit mit Beluga Shipping entwickeltes System soll das schaffen – unter anderem durch eine systematische Dokumentation und Auswertung von Schäden in den Flotten der Reeder. "INDOCAN" heißt das im Rahmen des BIBA-Projektes „MarLife“ entwickelte System. Anhand eines Demonstrators wurde das Vorgehen bei der Dokumentation von Schadensfällen sowie deren flottenweite Auswertung vorgestellt. Weitere Informationen zu dem Projekt bot Thomas van der Laan von Beluga Shipping.In ihrem Impulsvortrag widmete er sich unter anderem dem Thema “Maritimes Lifecycle Management“.

Um Schäden, Reparaturen und die Reduzierung von Kosten geht es auch im Projekt „Instandhaltungsoptimierung“. Am BIBA entsteht ein System zur Erfassung von Betriebsdaten wichtiger Maschinen- und Anlagenkomponenten über Sensoren und zu deren zuverlässiger Bewertung. Hier setzen die Forscher auf den Wechsel von der festen zyklischen zu einer zustandsorientierten Instandhaltungsstrategie, und an einem mit verschiedenen Sensoren ausgerüsteten Demonstrator zeigen sie ihren Gästen, wie das klappen kann.

„Intelligente Telematik passt sich an!“, behauptete Dr.-Ing. Gert Windhoff von OHB Teledata in seinem Beitrag und belegte das mit Beispielen. Seit Langem forschen OHB und BIBA gemeinsam auf diesem Feld und können hier inzwischen einige Erfolge vorweisen – wie die „intelligente“ Telematikeinheit, die als Werkzeug zur Lösung von Problemen im Ladungsträgermanagement eingesetzt wird. Wann ist welcher LKW oder Container in welchem Ladezustand wo? Die Einheit nimmt unter anderem Geo-Informationen auf und sendet sie an eine Zentrale. Dort stehen sie zum Beispiel dem Disponenten in einer Spedition für seine Planungen zur Verfügung. Windhoff erläuterte das Konzept der anpassbaren Telematik und die Möglichkeiten intelligenter Telematiksysteme für die Logistik.

Über die „Einsatzmöglichkeiten von Robotik in der Logistik“ referierte Carsten Rasch von ThyssenKrupp Krause. Dabei ging es ihm speziell um die Automatisierung des Warenein- und ausgangs. Die Qualität in der Handhabung empfindlicher Ware, Verfügbarkeit von Entladekapazität und die Sicherstellung von Datenkonsistenz lassen sich durch den Einsatz von Automatisierungstechnik optimieren. Unter anderem der Paketumschlag lässt durch diese neuen Technologien zunehmend ergonomischer gestalten.

Der Sonderforschungsbereich (SFB) 637 „Selbststeuerung logistischer Prozesse“ lässt in der BIBA-Halle die Fabrik der selbststeuernden Produkte arbeiten. Wie von Geisterhand gelenkt bewegen sich die Bauteile durch die Modell-Fabrik. An diesem Demonstrator ist eindrucksvoll zu sehen, was mit Selbststeuerungsmethoden und neuen Informations- und Kommunikationstechnologien in der Produktion schon möglich ist.

Auch in der Forschung selbst bedarf es effektiver und effizienter, logistischer Strukturen. Uni-Studierende stellten ihr Projekt „VirtualLogistics Lab“ vor, in dem sie Wissenschaftler, Anwender und Labore miteinander vernetzten wollen. Forscher sollen über das Internet auf Demonstratoren zugreifen können, um die Infrastrukturen der weltweit verteilten Labore besser nutzen zu können.

Wolf Lampe von der BLG Logistics Group fragte in seinem Vortrag: „Wo steht hier eigentlich was?“ und bot „Eine neue Lösung für eine alte Frage“. Dabei setzte er den Fokus auf das Projekt „ProKon“, das sich mit dem Ladungsträgermanagements auf dem Bremerhavener High & Heavy RoRo-Terminal der BLG Logistics beschäftigt. Auf dem großen Areal müssen die Ladungsträger stets rasch und zuverlässig zu finden sein. Das in dem Projekt entwickelte System soll dabei künftig helfen. Ein vom BIBA entworfener und gebauter, interaktiver Demonstrator zeigte die Funktionen des Systems.

Ebenfalls um Hafenlogistik ging es Stephan Piworus von Eurogate. Er berichtete anhand verschiedener Projekte über das Innovationsverständnis des Unternehmens für Containerterminals. So überprüft Eurogate derzeit beispielsweise in Kooperation mit dem BIBA den Einsatz einer Containerseilbahn zur Vergrößerung der Containerlagerflächen durch die Anbindung räumlich getrennter Terminalflächen. Wie das funktionieren kann, haben die Besucher live erlebt: Über ihren Köpfen schwebte an einem Seilbahnmodell ein kleiner Container.

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Logistik ist...

Logistik ist…

…wenn Blumen, die aus anderen Ländern importiert werden, trotz des langen Transports erst dann blühen, wenn sie im Laden stehen.

…wenn ein Autokäufer die Ausstattung seines Fahrzeugs individuell zusammenstellt - bis hin zur Farbe des gewünschten iPods – und das Auto mit genau dieser Ausstattung zu genau dem Termin geliefert wird, der ihm bei Bestellung in Aussicht gestellt wurde.

…wenn eine Einzelhandelskette in der Lage ist, in zigtausend Verkaufsstellen jede Woche ein völlig neues Sortiment anzubieten.

…wenn ein Tapetenhersteller mit einem einzigen Produktionsstandort und einem einzigen Lager seine Produkte weltweit vertreiben kann.

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