Mehr als 6.000 Schüler:innen seit 2013 – Tag der Logistik in Neuss begeistert mit innovativem Konzept
Der „Tag der Logistik“ zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie vielseitig und spannend die Welt hinter unseren täglichen Bestellungen ist. Ein fester Programmpunkt in der Logistikregion Rheinland ist dabei seit Jahren die Veranstaltung „Vom Klicken bis zum Klingeln“ in Neuss: Sie macht erlebbar, welche Schritte nötig sind, damit aus einem Online-Kauf am Ende tatsächlich eine Lieferung an der Haustür wird.
Für das Interview haben wir mit Thomas Klann (stellvertretender Vorsitzender der Logistikregion Rheinland e.V. und Leiter des AK „Tag der Logistik“) sowie Thomas Vieten (Geschäftsführer der Logistikregion Rheinland e.V.) gesprochen. Sie berichten, was „Vom Klicken bis zum Klingeln“ so besonders macht – und welche Zutaten eine Veranstaltung braucht, damit sie nicht nur interessiert, sondern fasziniert.
Redaktion: Können Sie uns einen kurzen Überblick zu den Inhalten Ihrer Veranstaltung geben?
Thomas Klann: „Vom Klicken bis zum Klingeln“ führen wir seit 2013 in Neuss durch und haben seither mehr als 6.000 Schüler:innen ab der 8. Klasse für die Veranstaltungen begeistern können. Wir erklären den logistischen Prozess sowie die entsprechenden Berufsbilder von der Bestellung (Klicken) bis zur Auslieferung an der (Klingeln) an der Haustüre. Dieses gliedert sich im Wesentlichen in drei Teile: Der erste Teil umfasst die klassische Ausstellung, in der Schüler:innen eine Orientierung über Berufsbilder in der Logistik erhalten.
Im zweiten Teil wird es mit unserer Logistik-Rallye dann schon etwas verspielt-ineraktiver: Dabei müssen die Schüler:innen an den Ausstellerständen verschiedene Aufgaben lösen. Dazu gehören beispielsweise Quizfragen, Fahrsimulatoren oder auch VR-Simulationen, in denen beispielsweise ein LKW beladen wird. Auf diese Weisen können wir den jungen Talenten diverse Aufgabenbereiche der logistischen Berufe spielerisch näher bringen. Zudem dient die Rallye dazu, dass die Schüler:innen ins Gespräch mit den einzelnen Ausstellern kommen. Dieses Jahr bauen wir den digitalen Ansatz noch weiter aus, indem die Schüler:innen an den einzelnen Stationen Tablet oder Smartphone statt Stift und Papier nutzen.
Der dritte Teil schließlich umfasst die für Schüler:innen in Nordrhein-Westfalen verpflichtende Maßnahme KAoA (Kein Abschluss ohne Anschluss). Sie soll ihnen den Übergang von der Schule zur Ausbildung oder zum Studium erleichtern. Den Besuch unserer Veranstaltung können sich die Schüler:innen als KAoA anrechnen lassen. Und nicht zuletzt stellen wir Projektarbeiten, die die Schüler:innen im Unterricht entwickelt haben, auf der Veranstaltung vor.
Redaktion: Wer gehört zu den Veranstaltern?
Thomas Klann: Zu den Ausrichtern gehören die IHK Mittlerer Niederrhein, die Logistikregion Rheinland, die MIT Rhein Kreis Neuss sowie die Unterstützer DSV Road und Dachser Niederlassung Neuss. Viele der beteiligten Personen arbeiten in diesem Zusammenhang ehrenamtlich.
Redaktion: Welche Unternehmen nehmen an der diesjährigen Veranstaltung teil?
Thomas Klann: Derzeit haben sich 30 Unternehmen aus Industrie, Handel und Logistik als Aussteller:innen angemeldet. Dazu zählen auch große Firmen wie 3M Deutschland, DSV und Lidl. Aber nach wie vor sind alle Unternehmen in der Region eingeladen, sich an der Veranstaltung zu beteiligen. Wir sind immer auf der Suche nach neuen spanenden Ausstellern. Auch eine kurzfristige Teilnahme ist möglich.
Redaktion: Wie bewerben Sie Ihre Veranstaltung?
Thomas Vieten: Durch die KAoA-Qualifikation sind wir zum einen in den Netzwerken der Schulen auf dem Schirm. Zudem sprechen wir die Schulen direkt an und lassen Auszubildende von Unternehmen, die beim Tag der Logistik mitmachen, über die Eindrücke ihrer Ausbildung berichten. Darüber hinaus werben wir auch auf Social-Media, besonders Tik Tok und Instagram, mit spannendem Content. Dazu zählen beispielsweise Reels über die Arbeit der Auszubildenden.
Redaktion: Welchen Mehrwert hat für Sie der Tag der Logistik?
Thomas Klann: Der Mehrwert besteht darin, junge Menschen in eine Ausbildung zu bekommen. Nach unserer Erfahrung funktioniert das am besten, wenn Austeller:innnen ihre Auszubildende für sie sprechen lassen. Dann ist der Altersunterschied zwischen ihnen nicht so groß und die Schüler:innen trauen sich, mehr Fragen zu stellen. So entstehen Dialoge auf Augenhöhe und beide Seiten haben einfach mehr Freude am Austausch und ggf. im Nachgang einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz.
Thomas Vieten: Außerdem ist es uns wichtig, junge Menschen für die Logistik zu begeistern. Dazu müssen wir den Schüler:innen zeigen, was dieser Wirtschaftsbereich für unsere Gesellschaft leistet und warum ohne sie in unserem Alltag vieles nichts funktionieren würde. In unserer stark digitalisierten Welt ist es ja ziemlich einfach, etwas zu bestellen. Man klickt auf einer Website das passende Produkt an und ein paar Tage später klingelt der Paketdienstleister an die Tür. Wir haben unsere Veranstaltung bewusst „Vom Klicken bis zum Klingeln“ genannt, damit die jungen Leute realisieren, was für ein empfindlicher Prozess eigentlich hinter diesem simplen Vorgang liegt.
Redaktion: Warum sollten Ihrer Meinung nach mehr Unternehmen am Tag der Logistik mitmachen?
Thomas Klann: Weil an unserer Veranstaltung nahezu 500 Schüler:innen sich an einem zentralen Punkt im Gare du Neuss über ihre Zukunft informieren. Das ist eine ganze Menge! Zudem ist der Aufwand der Aussteller:innen überschaubar, da unser Organisationsteam nahezu die gesamte Messeplanung und das Marketing für einen überschaubaren Kostenbeitrag übernimmt.
Thomas Vieten: Für die Branche ist der Tag der Logistik immens wichtig, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist umso wichtiger, weil sie immer noch mit ihrem angestaubten Image zu kämpfen hat. Zwar ist es schön zu hören, dass die Logistik zu den systemrelevanten Branchen zählt, aber was das wirklich bedeutet, kommt bei den meisten Menschen noch nicht an. Deswegen ist es wichtig, zu zeigen, dass unsere Arbeit nicht selbstverständlich ist und was die Menschen in dieser Branche für außergewöhnliche Arbeit leisten.
Redaktion: Manche Unternehmen haben Schwierigkeiten, einen passenden Inhalt für den Tag der Logistik zu finden. Haben Sie einen Rat an diese Unternehmen, was eine gute Veranstaltung ausmacht?
Thomas Vieten: Allen voran braucht es Menschen wie Thomas Klann, die vom Inhalt einer Sache überzeugt sind. Der Rest ergibt sich dann meist von allein. Zudem gestalten sich Veranstaltungen einfacher, wenn man möglichst viele Leute mit einbezieht. Theoretisch wären überall in Deutschland Veranstaltungen wie die in Neuss möglich, wenn man die richtigen Partner an seiner Seite hat. Ein Gewerbepark böte beispielsweise eine passende Gelegenheit. Dort gibt es in der Regel viele Unternehmen mit logistischen Prozessen. Zudem fahren jeden Tag unterschiedliche Dienstleister so einen Gewerbepark an. Würden sich daraus nur ein paar Unternehmen zusammentun und dann noch die ortsansässigen Wirtschaftsverbände, IHKs sowie Kommunen mit ins Boot holen, wäre die Organisation einer solchen Veranstaltung auf mehrere Schultern gut verteilt. Der Anfang mag sich schwierig gestalten, da besonders Kommunen der Logistik oft skeptisch gegenüberstehen. Aber sobald man diese Vorurteile abgebaut hat, gelingt eine nachhaltige Veranstaltung mit großem Mehrwert für die Logistik und die Region.
Redaktion: Vielen Dank für das Interview.
