Interview mit Peggy Bejas, Head of Logistics Planning and Support Projects bei DocMorris
DocMorris bietet spezielle Kurse für seine Mitarbeitenden in der Logistik an, um ihre fachliche Expertise weiterzuentwickeln. Damit können zugleich Menschen mit Barrieren beim Einstieg in den Arbeitsmarkt gezielt unterstützt werden.
Redaktion: Wie unterstützen Sie Ihre Mitarbeitenden in der Logistik?
Peggy Bejas: In unserer Logistik setzen wir auf eine ganzheitliche Förderung, denn Entwicklung beginnt damit, Chancen zu bekommen – und wächst, wenn man diese Chancen gemeinsam nutzt und vergrößert. Wir bieten unseren Mitarbeitenden strukturierte Einarbeitungspläne, direkte Unterstützung durch erfahrene Buddies, Trainer und Teamleiter sowie durchdachte Bildungspfade.
Über unsere interne Warehouse Academy ermöglichen wir eine kontinuierliche Qualifizierung: Das Spektrum reicht von MBO1-Ausbildungsprogrammen für Geflüchtete über MBO2-Abschlüsse zum qualifizierten Logistikmitarbeiter bis hin zu MBO3-Qualifikationen für erfahrene Logistikmitarbeitende und Supervisor. (In den Niederlanden ist die MBO1 Ausbildung vergleichbar mit der Ausbildung zum Logistikmitarbeiter und MBO2 mit der Ausbildung zum Fachlageristen.) Unser Ziel ist es, allen Mitarbeitenden eine nachhaltige berufliche Perspektive und echte Aufstiegschancen zu bieten.
Redaktion: Wie wird entschieden, welcher Weiterbildungsweg zu den Mitarbeitenden passt? Gibt es eine Möglichkeit, die Weiterbildung auf die individuellen Bedürfnisse anzupassen?
Peggy Bejas: Die Entscheidung ist sehr individuell und in engem Austausch zwischen den Mitarbeitenden, unseren Teamleitern und spezialisierten Coaches. Wir schauen uns vorhandene Qualifikationen, Vorkenntnisse sowie Sprachkenntnisse genau an. In einer Alltagsbegleitung erkennen unsere Teamleiter und Coaches schnell das Potenzial: Einige neue Kollegen beherrschen bereits nach wenigen Tagen die operativen Abläufe, benötigen aber beispielsweise noch Unterstützung bei der Fachsprache. Darauf aufbauend passen wir die Förderung flexibel an. Unsere MBO-Ausbildungspfade (MBO1, MBO2 oder MBO3) kombinieren die Arbeit mit Sprachförderung und ermöglichen es einen anerkannten Berufsabschluss direkt bei uns am Standort in Heerlen zu erlangen.
Redaktion: Welche Rolle spielt die Weiterbildung dabei, Menschen mit Barrieren beim Einstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen?
Peggy Bejas: Eine entscheidende Rolle. Wir sehen Qualifizierung als Brücke zwischen ungenutztem Potenzial und den Anforderungen des Arbeitsmarktes. Viele Menschen – wie etwa Geflüchtete oder Personen mit größerem Abstand zum Arbeitsmarkt – sind außerordentlich motiviert, stoßen aber auf Hürden wie fehlende Fachkenntnisse oder mangelnde Anerkennung bisheriger Qualifikationen. Wenn man ihnen eine echte Chance gibt und sie aktiv qualifiziert, entstehen großartige Erfolgsgeschichten. Weiterbildung bedeutet hier nicht nur berufliche Entwicklung, sondern ist der wichtigste Motor für soziale Integration, Eigenständigkeit und langfristiges Selbstvertrauen.
Redaktion: Sie haben auch ein Programm für Asylsuchende. Erzählen Sie uns bitte mehr davon.
Peggy Bejas: Sehr gerne! Das ist unser regionales Projekt, das wir gemeinsam mit unseren Partnern durchführen. Das Projekt verbindet von Anfang an bezahlte Arbeit in unserer Logistik mit gezieltem Niederländischunterricht in kleinen Gruppen auf dem Beyond Sprachcampus. Wir sind als DocMorris im Mai 2025 als Pionier mit zwei Asylsuchenden gestartet, um dieses Modell in der medizinischen Logistik zu erproben. Was als Pilotprojekt begann, hat sich zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt: Mittlerweile nehmen 20 Menschen an unserem Programm teil. Zehn von ihnen konnten inzwischen sogar in ein direktes Arbeitsverhältnis bei DocMorris wechseln.
Es ist eine enge Zusammenarbeit im regionalen Netzwerk beyond-medtech. In der medizinischen Logistik erhalten gute Kandidaten aus allen verschiedenen Zielgruppen eine Chance, bei Asylsuchenden beobachten wir eine besonders hohe Motivation. Sobald die entsprechenden aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, können die Teilnehmenden in das Beyond MBO1-Trajekt einsteigen und ihre berufliche Qualifizierung gezielt fortsetzen.
Redaktion: Sie haben den Sprachunterricht erwähnt. Welche Unterstützungsangebote gibt es über die reine fachliche Schulung hinaus, zum Beispiel bei sprachlichen oder persönlichen Hürden?
Peggy Bejas: Richtig, die Unterstützung beschränkt sich keineswegs nur auf Fachwissen. Sprachlich bieten wir praxisnahen Unterricht in kleinen Gruppen an. Auf dem Shopfloor stehen engagierte Buddies und Teamleiter bereit, die für eine enge und menschliche Einarbeitung sorgen. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit den Social Coaches und Nachsorge-Coaches von WSP Parkstad zusammen, die auch bei persönlichen Fragen, Absprachen zur Arbeitszeit oder Transportlösungen unterstützen. Dieses starke Netzwerk aus betrieblicher Praxis und sozialer Begleitung stellt sicher, dass sich unsere Mitarbeitenden von Tag eins an getragen fühlen und ihren Weg Schritt für Schritt gehen können.
Redaktion: Vielen Dank für das Interview und die Einblicke.
