Konstruktiver Dialog mit Blick in die Zukunft

Besser hätte der Termin nicht gewählt werden können. Am diesjährigen Tag der Logistik am 11. April 2019 fand zum zweiten Mal nach 2017 das Forum Bundeswehr und Wirtschaft statt. Unter der Überschrift „Trends, Strategien und Potenziale der Zusammenarbeit“ wurde die Gemeinschaftsveranstaltung des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg), des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Bundesvereinigung Logistik (BVL) beim gastgebenden Unternehmen Axel Ebbecke Verfahrenstechnik AG im hessischen Kilianstädten, Schöneck durchgeführt. Über Einhundertzwanzig Teilnehmer hatten sich eingefunden, um Aspekte zur Thematik „Wie mittelständische Unternehmen und Bundeswehr voneinander profitieren können“ im konstruktiven Dialog mit Blick in die Zukunft zu erörtern.

Gastgeber Axel Ebbecke, bekennender Reserveoffizier der Bundeswehr, freute sich sehr über die Anwesenheit der zahlreich vertretenen Inhaber, Geschäftsführender Gesellschafter (CEO) und Repräsentanten von mittelständischen Unternehmen verschiedenster Branchen und stellte seine Firmengruppe mit den Facetten Historie, Entwicklung und aktuelle Situation, vor.


Professor Dr.-Ing. Thomas Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung BVL, hatte sich bereit erklärt die Moderation der Veranstaltung zu übernehmen, begrüßte die Ehrengäste und vortragenden Akteure, stellte das interessante Programm vor und führte in die Thematik ein. Positionen, Zielsetzungen und Ausrichtungen der Bundeswehr und ziviler Unternehmen sollten im weiteren Verlauf der Veranstaltung ebenso wie die Bereiche Personal- /Fachkräftemangel, Digitalisierung, Entwicklung neuer Technologien, Cyber-Bedrohungen sowie gemeinsame Schnittstellen und gemeinsames Miteinander in der Zukunft thematisiert werden und zur Sprache kommen.


„Mittelstand als Innovator der Deutschen Wirtschaft“ / Eindeutiges Bekenntnis zur Bundeswehr

„Mittelständische Unternehmen und Bundeswehr gehören heute zusammen“ mit diesen Worten begann Dr. Hans-Jürgen Völz, Leiter der Volkswirtschaft des BVMW seinen Vortrag zum Thema „Mittelstand als Innovator der Deutschen Wirtschaft“, in Vertretung von Prof. Dr. h.c. Mario Ohoven, dem Präsidenten des BVMW. Er dankte allen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr dafür, dass sie mit ihrem Dienst und ihrem Einsatz die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland, in Zusammenarbeit mit den alliierten Verbündeten, gewährleisten, so dass Unternehmen produzieren und ihre Geschäfte betreiben können. Dieses klar formulierte und eindeutige Bekenntnis der zivilen Unternehmerschaft zur Bundeswehr wurde mit Zustimmung und Beifall der Anwesenden bedacht. Kernelemente seiner Ausführungen waren weiterhin die Rolle des deutschen Mittelstandes heute in Deutschland und im internationalen Umfeld sowie die in der Zukunft anstehenden Herausforderungen (u.a. Digitalisierung) und die sich ergebenden zahlreichen Chancen, vor allem durch die intensivere Nutzung der zahlreich vorhandenen Potentiale. Völz betonte ausdrücklich das Bild der „offenen Tür“ / der „ausgestreckten Hand“ der mittelständischen Wirtschaft für eine intensive und zielgerichtete weitere Zusammenarbeit mit der Bundeswehr in den unterschiedlichsten Bereichen; die Nutzung des Systems „Reserve der Bundeswehr“ (Wehrübungen/“Reservistendienstleistungen“), einschl. der Steigerung der Attraktivität dieses Systems seien explizit genannt.


„Zukunftsorientierung – Kooperation mit der Wirtschaft“ / Logistik der Bundeswehr heute und morgen

Dass es insbesondere im Bereich der Logistik eine Vielzahl von Schnittstellen, Abholpunkten und auch gemeinsamen Chancen gibt, darüber waren sich alle Teilnehmer nach dem Vortrag von Generalmajor Volker Thomas, dem Kommandeur des in Erfurt beheimateten Logistikkommandos der Bundeswehr schnell und übereinstimmend einig. „Wir kooperieren schon lange mit der zivilen Wirtschaft, aber es ist noch nicht genug“ mit dieser Feststellung begann Thomas seine Ausführungen.


Er stellte die Veränderung der Rahmenbedingungen dar, die sich in den letzten Jahren für die Logistik der Bundeswehr ergeben haben. Landes- und Bündnisverteidigung, Heimatschutz / nationales Risikomanagement, Host Nation Support und bündnissolidarische und rückversichernde Maßnahmen seien explizit als Faktoren aus dem logistischen Lastenhaft genannt. In seiner Beschreibung seines „Hauses der Logistik“ unterstrich er die Bedeutung der drei tragenden Säulen „Logistische Fähigkeiten der Bundeswehr“, „Multinationalität“, und „Gewerblich“ mit den Elementen Kooperationen, Rahmenverträgen, Klausuren und Agenturen. „Schneller, funktionaler, leistungsfähiger – Agilität und Kapazitäten erhöhen!“ so überschrieb und beschrieb General Thomas die vier Kooperationsfelder als er über die aktuellen Herausforderungen mit zielgerichtetem Blick in die Zukunft sprach. „Wir sind seit geraumer Zeit im konstruktiven Dialog mit der zivilen Wirtschaft“ und beschäftigen uns in Panels mit den Themen „Zusammenarbeit Personal und Ausbildung, bessere Nutzung von Vergabeverfahren“, „Materialbewirtschaftung und Lagerung“, „Logistische Unterstützung der Verlegung von Kräften/intermodaler Transport“ und „Instandhaltung und Fertigung“ so Thomas, sachlich und optimistisch, im O-Ton. „Wir kooperieren bereits mit der zivilen Wirtschaft, wir sind im Dialog“ mit diesen Worten hatte Thomas begonnen. „Wir kooperieren, wir haben Foren für zielführende Dialoge eingerichtet, wir haben bereits erste gute Ergebnisse zu verzeichnen“, so eine Kernaussage von Thomas in seinem Fazit zur aktuellen Lage! „Aber es ist noch nicht genug. Die Herausforderungen für die Logistik sind im Rahmen des Aufgabenspektrums der Bundeswehr in kurzer Zeit gewaltig gewachsen. Sie sind wesentlich höher als in der Vergangenheit. Diese Aufgaben kann die Bundeswehr, trotz Aufwuchses, mit eigenen Kräften nicht allein bewältigen. Für eine erfolgreiche Auftrags- und Aufgabenerfüllung bedarf es auch gerade im Bereich Logistik an zielgerichteten und zielführenden Kooperationen mit der zivilen Wirtschaft“ ergänzte Thomas abschließend.


„Lust auf Zukunft?“ / „Trends & Strategien im Wirtschaftsbereich Logistik – was sich durch Digitalisierung ändert“

Nicht nur als Moderator der Veranstaltung, sondern auch mit einem überaus interessanten Vortrag brachte sich Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer ein. Mit seinem Vortrag zu Trends und Strategien im Wirtschaftsbereich Logistik und den durch die Digitalisierung zu erwartenden Änderungen nahm er alle Zuhörer mit auf seiner Reise der wissenschaftlichen Betrachtung dieser herausfordernden Thematik. Von der klassischen Wertschöpfungskette in den typischen Arbeitsbereichen der Logistik über exogene und endogene Trends – einschl. aktueller Relevanz – bis hin zur „Künstlichen Intelligenz“ reichte der von ihm aufgebaute Spannungsbogen mit Blick in die Zukunft. „Durch die Digitalisierung von allem und die Künstliche Intelligenz in allem wird sich alles ändern. Dieser Prozess ist unumkehrbar“. Mit diesen Feststellungen Prof. Wimmers ist seine Botschaft zu seinem Thema zusammengefasst wiedergegeben. Die von ihm gestellte Frage „Lust auf Zukunft? war für alle Veranstaltungsteilnehmer der individuelle Einstieg in weitere Tiefen der Thematik, mit dem Schwerpunkt Logistik, einzutauchen.


Reservisten – Brücke zwischen Bundeswehr und Wirtschaft

„Mittelständische Unternehmen und Bundeswehr gehören heute zusammen“ sagte Dr. Völz in seinem Bekenntnis zur Bundeswehr in seinem Vortrag. In Fortführung dieses Gedankens durfte die Thematik „Reservisten“ keinesfalls fehlen. Oberst i.G. Peter Haupt, Referatsleiter im BMVg für Reservisten- und Veteranenangelegenheiten referierte dazu und stellte sowohl Grundsatzinformationen als auch aktuelle Zahlen, Zielsetzungen und Ausrichtungen vor. Besonderes Anliegen war es ihm, das System der Reserve in der Bundeswehr im Zusammenhang mit dem formulierten politischen Willen und gesellschaftlicher Akzeptanz zu erläutern. Gemeinsame Interessen von Bundeswehr und ziviler Wirtschaft hinsichtlich Personalgewinnung, Ausbildung und Rahmenbedingungen – finanzielle und soziale Absicherung - für Freistellungen für Reservistendienstleistungen waren weitere Aspekte seiner Ausführungen. „Die neue Konzeption der Reserve ist kurz vor Vollendung und wird im Herbst 2019 vorgestellt werden“ ergänzte Haupt zur Abrundung seiner Inhalte.


Gelungene Veranstaltung – mit „Lust auf mehr“

„Es hat sich gelohnt. Eine gelungene Veranstaltung mit konstruktivem Dialog und Blick in die Zukunft!“ mit diesen Worten bilanzierte Enno Bernzen, Mitbegründer der Veranstaltungsreihe das 2. Forum Bundeswehr und Wirtschaft 2019 in Kilianstädten, Schöneck/Hessen. In ihrer Einladung zur Veranstaltung zitierten die Veranstalter Henry Ford, einen Pionier der Automobilproduktion, mit seinem Ausspruch: „Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ein Fortschritt, Zusammenarbeit ein Erfolg“, und appellierten in Anlehnung daran mit ihrer Aussage „Zusammenarbeiten beginnt mit Zusammenkommen und einem Dialog auf Augenhöhe. Lassen Sie uns diese Chance gemeinsam nutzen!“


Bleibt festzuhalten: Zusammengekommen in diesem Forum sind Bundeswehr und Wirtschaft, zusammengearbeitet wird bereits, der Dialog auf Augenhöhe wird geführt. Die Chance für die Fortsetzung des Forums Bundeswehr und Wirtschaft gilt es gemeinsam zu nutzen.


Die Besichtigung des Unternehmens Ebbecke Verfahrenstechnik AG sowie ein abschließendes „Get together“, mit Gelegenheit zu guten Gesprächen und zu einem logistischen Informations- und Meinungsaustausch rundeten diese gelungene Gemeinschaftsveranstaltung ab.


Text: Jürgen Ammann

Zur Veranstaltung: Forum Bundeswehr und Wirtschaft - Trends, Strategien und Potenziale der Zusammenarbeit

  • Mehr als Einhundert interessierte Gäste hatten sich zum konstruktiven Dialog zwischen Bundeswehr und Wirtschaft eingefunden. (Quelle: SKB/Ammann)

    Mehr als Einhundert interessierte Gäste hatten sich zum konstruktiven Dialog zwischen Bundeswehr und Wirtschaft eingefunden. (Quelle: SKB/Ammann)

  • Gastgeber Axel Ebbecke informierte  über sein Unternehmen. (Quelle: SKB/Ammann)

    Gastgeber Axel Ebbecke informierte über sein Unternehmen. (Quelle: SKB/Ammann)

  • Dr. Hans-Jürgen Völz sprach für den Bundesverband Mittelständische Wirtschaft  und bekannte sich eindeutig zur Bundeswehr. (Quelle: SKB/Ammann)

    Dr. Hans-Jürgen Völz sprach für den Bundesverband Mittelständische Wirtschaft und bekannte sich eindeutig zur Bundeswehr. (Quelle: SKB/Ammann)

  • Generalmajor Volker Thomas stellte die Logistik der Bundeswehr vor und zeigte Chancen für gemeinsame Kooperationen auf. (Quelle: SKB/Ammann)

    Generalmajor Volker Thomas stellte die Logistik der Bundeswehr vor und zeigte Chancen für gemeinsame Kooperationen auf. (Quelle: SKB/Ammann)

  • Moderator und Vortragender – Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer blickte mit seinen Ausführungen in die Zukunft. (Quelle: SKB/Ammann)

    Moderator und Vortragender – Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer blickte mit seinen Ausführungen in die Zukunft. (Quelle: SKB/Ammann)

  • Oberst i.G. Peter Haupt erläuterte das System „Reserve der Bundeswehr“ (Quelle: SBK/Ammann)

    Oberst i.G. Peter Haupt erläuterte das System „Reserve der Bundeswehr“ (Quelle: SBK/Ammann)

  • Dank‘ gebührte dem Gastgeber und allen Vortragenden (Quelle: SKB/Ammann)

    Dank‘ gebührte dem Gastgeber und allen Vortragenden (Quelle: SKB/Ammann)

  • (v.l.) Dr. Völz, Prof, Dr. Wimmer gemeinsam mit Oberstleutnant Harry Fegert, Projektoffizier BMVg „Forum Bundeswehr und Wirtschaft 2019“

    (v.l.) Dr. Völz, Prof, Dr. Wimmer gemeinsam mit Oberstleutnant Harry Fegert, Projektoffizier BMVg „Forum Bundeswehr und Wirtschaft 2019“

  • Info: die Streitkräftebasis verfügt über die Logistik hinaus über eine Vielzahl an besonderen Fähigkeiten

    Info: die Streitkräftebasis verfügt über die Logistik hinaus über eine Vielzahl an besonderen Fähigkeiten

  • Modernes Logistikfahrzeug der Bundeswehr: Multi A 4 FSA. Multi steht für „Mechanisierte Umschlag-, Lagerung-, Transport- Integration“. „FSA“ (Fahrzeugschutzausstattung) bringt zum Ausdruck, dass die Schutzausstattung konstruktiv in das Fahrzeug integriert ist.

    Modernes Logistikfahrzeug der Bundeswehr: Multi A 4 FSA. Multi steht für „Mechanisierte Umschlag-, Lagerung-, Transport- Integration“. „FSA“ (Fahrzeugschutzausstattung) bringt zum Ausdruck, dass die Schutzausstattung konstruktiv in das Fahrzeug integriert ist.

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